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Diabetes und Augen – Retinopathie erkennen, Sehvermögen schützen

Medizinischer Hinweis: Alle Inhalte dienen ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzen keine ärztliche Beratung. Änderungen an Medikamenten- oder Insulindosen nur in Absprache mit einem Arzt.

Zuletzt aktualisiert: 20. Juli 2026

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Diabetes und Augen – Retinopathie erkennen, Sehvermögen schützen

Das Auge ist eines der am stärksten von Diabetes betroffenen Organe. Erhöhte Blutzuckerwerte schädigen über Jahre die feinen Blutgefäße der Netzhaut (Retina) – ein Prozess, der zunächst völlig symptomlos verläuft und dennoch zur Erblindung führen kann. Die gute Nachricht: Bei frühzeitiger Erkennung und konsequenter Therapie lässt sich ein schwerwiegender Sehverlust in den meisten Fällen verhindern oder zumindest erheblich verzögern.

Dieser Artikel erklärt die Entstehung und Stadien der diabetischen Retinopathie, benennt bekannte Risikofaktoren, beschreibt Warnsymptome und gibt einen Überblick über die Vorsorgeempfehlungen der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG). Er ersetzt nicht die Diagnose oder Behandlung durch einen Augenarzt.

Was ist die diabetische Retinopathie?

Die diabetische Retinopathie ist eine Mikroangiopathie – eine Schädigung der kleinen Blutgefäße – die die Netzhaut betrifft. Chronisch erhöhte Blutzuckerwerte führen zu Veränderungen der Gefäßwände: Sie werden durchlässiger, bilden Mikroaneurysmen (kleine Ausbuchtungen) und können verschlossen werden. Dadurch entsteht eine unzureichende Blutversorgung von Netzhautbereichen.

Die Erkrankung wird in zwei Hauptstadien eingeteilt:

  • Nicht-proliferative Retinopathie (NPDR): Früh- bis mittelgradige Veränderungen wie Mikroaneurysmen, Blutungen, Exsudate. Noch keine neuen Blutgefäße. In mild-moderaten Stadien oft symptomlos.
  • Proliferative Retinopathie (PDR): Der Körper bildet als Reaktion auf Sauerstoffmangel neue, aber fragile Blutgefäße (Neovaskularisationen). Diese können reißen, zu Einblutungen in den Glaskörper führen und im Extremfall die Netzhaut ablösen – mit drohendem Sehverlust.

Eine häufige Begleiterkrankung ist das diabetische Makulaödem: Flüssigkeit tritt in die Makula (Ort des schärfsten Sehens) aus und beeinträchtigt die Sehschärfe. Es kann in jedem Stadium der Retinopathie auftreten.

Wie häufig ist diabetische Retinopathie?

Weltweit ist die diabetische Retinopathie eine der häufigsten Ursachen für erworbene Erblindung bei Erwachsenen im erwerbsfähigen Alter. Nach Daten aus großen Kohortenstudien (Cheung et al., Lancet, 2010) weisen etwa ein Drittel aller Menschen mit Diabetes irgendeine Form der Retinopathie auf; die proliferative Form betrifft schätzungsweise 7–10 %. In Deutschland schätzt die DDG, dass eine erhebliche Anzahl Betroffener ihre Augenerkrankung nicht kennt – häufig weil keine Symptome spürbar sind.

Risikofaktoren für die Entwicklung einer Retinopathie

Nicht alle Menschen mit Diabetes entwickeln eine Retinopathie in gleichem Ausmaß. Die wichtigsten bekannten Risikofaktoren:

RisikofaktorEinfluss auf Retinopathie
HbA1c-Wert (langfristige Blutzuckerkontrolle)Wichtigster modifizierbarer Risikofaktor; jeder Prozentpunkt mehr erhöht das Risiko deutlich (DCCT 1993, UKPDS 1998)
DiabetesdauerNach 20 Jahren Typ-1-Diabetes weisen >90 % irgendeine Form der Retinopathie auf
Bluthochdruck (Hypertonie)Verstärkt die Gefäßschädigung; strenge RR-Kontrolle schützt auch die Netzhaut
Blutfette (Dyslipidämie)Erhöhte Triglyceride und LDL-Cholesterin assoziiert mit hartem Exsudat-Bildung
SchwangerschaftKann bestehende Retinopathie beschleunigen; engmaschige Kontrolle erforderlich
RauchenVerstärkt vaskuläre Schäden

Das Wichtigste in Kürze: Eine möglichst gute langfristige Blutzuckerkontrolle (HbA1c-Zielwert individuell mit dem Arzt besprechen) und die Behandlung von Bluthochdruck und Blutfetten gehören zu den wirksamsten Maßnahmen, um das Retinopathie-Risiko zu senken.

Symptome, die ernst genommen werden müssen

Die frühen Stadien der diabetischen Retinopathie sind oft völlig symptomlos – ein tückisches Merkmal, das regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen unverzichtbar macht. Erst wenn größere Netzhautbereiche betroffen sind oder ein Makulaödem vorliegt, bemerken Betroffene Veränderungen. Typische Symptome in fortgeschritteneren Stadien:

  • Verschwommenes Sehen – besonders in der Mitte des Gesichtsfelds
  • Mouches volantes (Floater) – plötzlich auftretende Schatten, Punkte oder „Rußflocken“ im Sichtfeld
  • Schleier oder dunkle Flecken im Gesichtsfeld
  • Lichtblitze (Photopsien)
  • Plötzlicher starker Sehverlust auf einem oder beiden Augen – medizinischer Notfall!

Wichtig: Plötzlicher Sehverlust, Schatten, die von einer Seite hereinrücken, oder ein „Reißen“ im Sichtfeld können auf eine Netzhautablösung oder Glaskörperblutung hinweisen. In diesen Fällen sofort den Augenarzt oder eine Notaufnahme aufsuchen – jede Stunde kann zählen.

Augenarztkontrollen: Was die DDG empfiehlt

Die Deutsche Diabetes Gesellschaft empfiehlt in ihren Leitlinien zur Diagnostik, Therapie und Verlaufskontrolle des Diabetes mellitus klare Kontrollintervalle:

  • Typ-1-Diabetes: Erstuntersuchung spätestens 5 Jahre nach Diagnosestellung; danach jährliche Kontrolle.
  • Typ-2-Diabetes: Augenärztliche Untersuchung direkt bei Diagnosestellung; danach jährlich oder nach Maßgabe des Befundes.
  • Schwangerschaft: Vor der Schwangerschaft und in regelmäßigen Abständen während der Schwangerschaft; bei bestehender Retinopathie engmaschiger.

Bei der Untersuchung wird der Augenhintergrund in der Regel nach Erweiterung der Pupille (z. B. mit Tropicamid-Augentropfen) betrachtet. Digitale Fundusfotografie ermöglicht eine reproduzierbare Dokumentation der Befunde über die Zeit. Modernere Verfahren wie die optische Kohärenztomografie (OCT) ermöglichen eine genaue Darstellung des Makulaödems.

Behandlungsmöglichkeiten – ein Überblick

Die Behandlung der diabetischen Retinopathie ist Aufgabe des Augenarztes und ggf. eines spezialisierten Retinologen. Folgende Verfahren kommen – je nach Stadium und Befund – zum Einsatz:

Laserphotokoagulation

Laserstrahlen veröden gezielt Netzhautbereiche, um die Bildung neuer, fragiler Blutgefäße zu bremsen (panretinale Laserkoagulation bei PDR) oder undichte Gefäße bei Makulaödem zu behandeln. Das Verfahren ist seit Jahrzehnten etabliert und kann Sehverlust verhindern, verbessert aber meist das bestehende Sehvermögen nicht.

Intravitreale Injektionen (IVOM)

Medikamente, die den Wachstumsfaktor VEGF (Vascular Endothelial Growth Factor) hemmen – sogenannte Anti-VEGF-Präparate wie Ranibizumab (Lucentis®) oder Aflibercept (Eylea®) –, werden direkt in den Glaskörper injiziert. Sie sind besonders wirksam beim diabetischen Makulaödem und können die Sehschärfe verbessern. Diese Therapie wird ausschließlich von Augenärzten in spezialisierten Zentren durchgeführt. Kortikosteroide als Implantate (z. B. Dexamethason-Implantat) sind eine weitere Option. Alle genannten Wirkstoffe erfordern eine Zulassung und ärztliche Verordnung.

Vitrektomie

Bei schwerer proliferativer Retinopathie mit Glaskörperblutung oder Netzhautablösung kann ein operativer Eingriff (Vitrektomie) notwendig sein. Der Glaskörper wird dabei entfernt und durch eine Tamponadesubstanz ersetzt. Dieser Eingriff erfolgt in spezialisierten Augenkliniken.

Häufige Fragen zu Diabetes und Augenkomplikationen (FAQ)

Ab wann muss ich als Diabetiker zum Augenarzt?

Bei Typ-2-Diabetes direkt nach Diagnosestellung; bei Typ-1-Diabetes spätestens 5 Jahre nach Diagnose, sofern die Erkrankung nicht im Kindesalter vor der Pubertät begann. Danach jährliche Kontrollen – auch wenn keine Symptome vorliegen. Die DDG-Leitlinien empfehlen diese Intervalle, weil die Retinopathie im Frühstadium symptomlos verläuft und nur durch den Augenarzt erkannt werden kann.

Kann man eine diabetische Retinopathie wieder umkehren?

Eine konsequente Verbesserung der Blutzuckerkontrolle kann das Fortschreiten der Retinopathie erheblich verlangsamen – in frühen Stadien können leichte Befunde sogar teilweise zurückgehen. Allerdings ist eine vollständige Heilung einmal entstandener Schäden in der Regel nicht möglich. Moderne Behandlungen (Anti-VEGF, Laser) können jedoch weiteren Sehverlust verhindern und bei Makulaödem die Sehschärfe verbessern. Je früher die Diagnose und Therapie, desto besser die Prognose.

Welche Blutzuckerwerte schützen das Augenlicht am besten?

Entscheidend ist der HbA1c-Wert als Langzeitmarker der Blutzuckerkontrolle. Sowohl die DCCT-Studie (Typ-1) als auch die UKPDS (Typ-2) haben gezeigt, dass eine intensivierte Blutzuckerkontrolle das Retinopathie-Risiko signifikant senkt. Welcher HbA1c-Zielwert für Sie individuell sinnvoll ist, hängt von vielen Faktoren ab (Alter, Diabetesdauer, Hypoglykämierisiko) und muss mit Ihrem Diabetologen besprochen werden. Zusätzlich ist die Blutdruckkontrolle (Ziel < 140/90 mmHg laut DDG) ein wichtiger Schutzfaktor für die Netzhaut.

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⚕ Wichtiger medizinischer Hinweis

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei Sehveränderungen wenden Sie sich sofort an einen Augenarzt. Plötzlicher Sehverlust ist ein medizinischer Notfall. Insulindosen und Medikamente dürfen nur nach Rücksprache mit dem Arzt verändert werden. Alle genannten Behandlungsverfahren erfordern ärztliche Diagnose und Verordnung.

Quellen

  • Cheung N, Mitchell P, Wong TY: Diabetic retinopathy. Lancet. 2010;376(9735):124–136. PubMed 20580421
  • DCCT Research Group: The effect of intensive treatment of diabetes on the development and progression of long-term complications in insulin-dependent diabetes mellitus. N Engl J Med. 1993;329(14):977–986. PubMed 8366922
  • UK Prospective Diabetes Study Group (UKPDS 33): Intensive blood-glucose control with sulphonylureas or insulin compared with conventional treatment and risk of complications in patients with type 2 diabetes. Lancet. 1998;352(9131):837–853. PubMed 9742976
  • Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG): Leitlinie Diabetische Retinopathie und Makulopathie. AWMF-Registernummer 057-027. awmf.org
  • Schmidt-Erfurth U et al.: Guidelines for the Management of Diabetic Macular Edema. Acta Ophthalmol. 2014;92(2):96–104. PubMed 24279499
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