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Diabetes mellitus ist die häufigste Ursache für eine chronische Nierenerkrankung (CKD) in Deutschland. Schätzungsweise 20–40 % der Menschen mit Diabetes entwickeln im Laufe ihres Lebens eine diabetische Nephropathie. Die Nieren verlieren dabei zunehmend ihre Fähigkeit, Stoffwechselabfälle zu filtern – und das hat direkte Konsequenzen für die Ernährung. Bestimmte Nährstoffe, die gesunde Nieren problemlos ausscheiden, können sich bei eingeschränkter Nierenfunktion gefährlich anhäufen. Eine nierengerechte Ernährung kann helfen, das Fortschreiten der Nephropathie zu verlangsamen und Komplikationen zu vermeiden.
Wichtiger Hinweis: Die Nierendiät ist hochgradig individuell und muss von einem Arzt oder einer qualifizierten Ernährungsfachkraft (Diätologin / Diabetesberaterin) auf die jeweilige Nierenfunktion (GFR-Kategorie) abgestimmt werden. Die Empfehlungen in diesem Artikel ersetzen keine individuelle Ernährungsberatung.
Was ist die diabetische Nephropathie?
Die diabetische Nephropathie entsteht durch anhaltend erhöhte Blutzuckerwerte, die die Blutgefäße in den Glomeruli (winzige Filtereinheiten der Niere) schädigen. Mit der Zeit verliert das Nierenfilter an Kapazität – messbar durch eine steigende Albuminausscheidung im Urin (Mikroalbuminurie, dann Makroalbuminurie) und eine sinkende glomeruläre Filtrationsrate (eGFR). Nach der KDIGO-Klassifikation unterscheidet man 5 CKD-Stadien (G1–G5), wobei G5 das Nierenversagen (Dialysepflichtigkeit) bedeutet.
Die Ernährungsempfehlungen unterscheiden sich je nach CKD-Stadium erheblich. In frühen Stadien (G1–G2) reichen oft die Empfehlungen zur Diabetesernährung aus; in späteren Stadien (G3b–G5) kommen spezifische Einschränkungen für Protein, Kalium und Phosphat hinzu.
Protein: Weniger ist mehr – aber nicht zu wenig
Protein (Eiweiß) ist lebensnotwendig, aber beim Proteinabbau entstehen stickstoffhaltige Abbauprodukte (u. a. Harnstoff, Kreatinin), die die Nieren ausscheiden müssen. Eine moderierte Proteinzufuhr kann die Nieren entlasten und das Fortschreiten der Nephropathie verlangsamen.
DDG/DGfN-Empfehlungen zur Proteinzufuhr
- Frühe Nephropathie (G1–G2, GFR ≥ 60): 0,8 g Protein / kg Körpergewicht / Tag – entspricht der Normalkost
- Fortgeschrittene Nephropathie (G3–G5, GFR < 60), nicht dialysepflichtig: 0,6–0,8 g Protein / kg KG / Tag
- Dialysepflichtig: Höhere Zufuhr (1,0–1,2 g / kg KG / Tag) – weil Dialyse selbst Eiweiß abbaut
Wichtig: Eine zu starke Proteinrestriktion (< 0,6 g / kg KG) kann zu Mangelernährung und Muskelabbau führen – besonders bei älteren Patienten. Die KDIGO-Leitlinien 2022 betonen: Proteinreduktion ja, aber mit Begleitung durch eine Ernährungsfachkraft, die den Ernährungsstatus regelmäßig kontrolliert (KDIGO. Kidney Int. 2022).
Pflanzliches vs. tierisches Protein
Pflanzliche Proteinquellen (Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, Nüsse) können bei Nierenerkrankungen Vorteile gegenüber tierischem Protein haben: Sie erzeugen weniger säurebelastende Stoffwechselprodukte und können den Kaliumgehalt bei Auswahl kaliumarmer Sorten im Rahmen halten. Eine pflanzenbasierte Ernährung kann laut aktueller Studienlage das CKD-Progressionsrisiko senken (Kalantar-Zadeh et al. Nutrients. 2021).
Kalium: Zu viel kann das Herz gefährden
Gesunde Nieren regulieren den Kaliumspiegel im Blut präzise. Bei eingeschränkter Nierenfunktion kann sich Kalium im Blut anstauen (Hyperkaliämie) – mit dem Risiko lebensbedrohlicher Herzrhythmusstörungen. Nicht alle Patienten mit Nephropathie entwickeln eine Hyperkaliämie; eine Kontrolle des Serumkaliums durch den Arzt ist jedoch unverzichtbar.
Kaliumreiche Lebensmittel, die bei einer Nierendiät ggf. eingeschränkt werden müssen:
| Lebensmittelgruppe | Kaliumreich (einschränken) | Kaliumarm (besser geeignet) |
|---|---|---|
| Obst | Bananen, Aprikosen, Kiwi, Avocado, Trockenfrüchte | Äpfel, Birnen, Heidelbeeren, Erdbeeren |
| Gemüse | Kartoffeln, Tomaten, Hülsenfrüchte, Spinat | Gurke, Paprika (roh), Salat, Zucchini |
| Getreide | Kleie, Vollkornprodukte in großen Mengen | Weißbrot, Reis (weiß), Nudeln (nicht Vollkorn) |
| Milchprodukte | Joghurt (große Mengen) | Butter, Sahne (wenig Kalium) |
| Nüsse/Samen | Alle Nüsse (sehr kaliumreich) | Sparsam verwenden |
Tipp – Auslaugen: Durch Wässern und Wechseln des Kochwassers kann der Kaliumgehalt von Kartoffeln und Gemüse um 30–50 % reduziert werden. Kartoffeln schälen, klein schneiden, mindestens 2 Stunden wässern, Wasser wechseln, dann in frischem Wasser kochen.
Phosphat: Die versteckte Gefahr
Phosphat aus der Nahrung wird bei eingeschränkter Nierenfunktion nicht mehr ausreichend ausgeschieden. Chronisch erhöhte Phosphatwerte (Hyperphosphatämie) schädigen die Blutgefäße und begünstigen Knochenschwund (renale Osteopathie). Besonders problematisch sind Phosphat-Zusatzstoffe in verarbeiteten Lebensmitteln (E 338–E 341, E 450–E 452), die nahezu vollständig resorbiert werden – anders als natürliches Phosphat aus Fleisch oder Hülsenfrüchten, von dem nur ca. 40–60 % absorbiert werden.
- Phosphatreich (einschränken): Schmelzkäse, Wurstwaren, Cola-Getränke, Fertigprodukte mit E-Nummern, Nüsse, Vollkornprodukte
- Weniger phosphatbelastend: Frisches Fleisch und Fisch (kein Schmelzkäse, keine Fertigwurst), frisches Gemüse (ausgelaugt), helle Brotsorten, Reiswaffel, Honig
Kochbücher für die Nierendiät bei Diabetes
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Weitere Ernährungsaspekte bei diabetischer Nephropathie
Flüssigkeitszufuhr
In frühen CKD-Stadien (G1–G3) ist eine normale Flüssigkeitszufuhr (1,5–2 Liter/Tag) meistens unbedenklich und sogar wichtig für die Nierenfunktion. In fortgeschrittenen Stadien (G4–G5) oder bei Dialysepflichtigkeit kann eine Flüssigkeitsrestriktion notwendig werden – diese legt der behandelnde Nephrologe individuell fest.
Natrium (Salz)
Eine Salzreduktion auf < 5–6 g NaCl/Tag (entspricht ca. einem Teelöffel) unterstützt die Blutdruckkontrolle – wichtig, da Hypertonie die Nephropathie beschleunigt. Fertigprodukte, Fast Food und Konserven enthalten oft viel verstecktes Natrium.
Kohlenhydrate und Blutzuckereinstellung
Eine gute Blutzuckereinstellung (HbA1c-Ziel individuell, meist 7–8 %) ist die wichtigste Maßnahme zur Verlangsamung der Nephropathieprogression. Die allgemeinen Empfehlungen zur Diabetesernährung gelten weiterhin – die Nierendiät wird ergänzend angepasst. Lesen Sie dazu auch unseren Artikel über Ernährungsirrtümer bei Diabetes – was wirklich stimmt.
Häufige Fragen: Nierendiät bei Diabetes (FAQ)
Ab welchem Stadium der Nierenerkrankung ist eine Nierendiät notwendig?
In frühen Stadien (CKD G1–G2, GFR ≥ 60 ml/min) sind die Ernährungsempfehlungen meist identisch mit der allgemeinen Diabetesernährung – mit Schwerpunkt auf Salzreduktion und guter Blutzuckereinstellung. Ab CKD G3b (GFR < 45 ml/min) empfehlen DDG und DGfN eine Proteinmoderation. Ab G4 (GFR < 30) kommen je nach Laborwerten Kalium- und Phosphatrestriktionen hinzu. Ihr Nephrologe und Diabetologe bestimmen auf Basis Ihrer aktuellen Laborwerte (eGFR, Kalium, Phosphat, Albumin), welche Einschränkungen konkret notwendig sind.
Kann ich bei Nierenerkrankung noch Hülsenfrüchte essen?
Hülsenfrüchte wie Linsen, Kichererbsen und Bohnen sind nährstoffreich und bei Diabetes wegen ihres niedrigen glykämischen Index wertvoll. Allerdings sind sie kalium- und phosphatreich und enthalten relativ viel Protein. In frühen CKD-Stadien können kleinere Mengen Hülsenfrüchte meistens problemlos gegessen werden. In fortgeschrittenen Stadien sollte die Menge eingeschränkt und das Auslaugen (über Nacht in Wasser einweichen, Wasser wegschütten) genutzt werden, um den Kaliumgehalt zu senken. Besprechen Sie die individuelle Menge mit Ihrer Ernährungsfachkraft.
Darf ich Kaliumersatzsalz (Kaliummchlorid) verwenden?
Nein – Kaliumchlorid-basierte Salzersatzmittel sind bei Nierenerkrankungen kontraindiziert. Sie enthalten viel Kalium, das die eingeschränkte Niere nicht ausreichend ausscheiden kann. Hyperkaliämie (Kaliumüberschuss) kann zu gefährlichen Herzrhythmusstörungen führen. Verwenden Sie stattdessen Kräuter, Gewürze und geringe Mengen normales Jodsalz zur Verbesserung des Geschmacks.
Wie finde ich eine qualifizierte Ernährungsberaterin für die Nierendiät?
Für die Nierendiät bei Diabetes empfehlen sich spezialisierte Diabetesberater/innen (DDG), Diätassistentinnen mit nephrologischer Zusatzqualifikation oder ärztliche Ernährungsmediziner. Anlaufstellen sind: Ihr Nephrologe oder Diabetologe (Überweisung), die Webseite der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG), die Webseite der DGfN (Deutsche Gesellschaft für Nephrologie) oder das Verzeichnis des Verbands der Diätassistenten (VDD). Die Kosten für Ernährungsberatung bei Nierenerkrankung können von der Krankenkasse übernommen werden (§ 43 SGB V – Anfrage lohnt sich).
⚕ Wichtiger medizinischer Hinweis
Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Die Nierendiät bei Diabetes ist hochgradig individuell und muss mit einem Nephrologen, Diabetologen und einer qualifizierten Ernährungsfachkraft abgestimmt werden. Medikamentendosen und Insulinmengen dürfen ausschließlich nach Absprache mit Ihrem Arzt verändert werden. Dieser Artikel enthält keine Heilsversprechen im Sinne des Heilmittelwerbegesetzes (HWG).
Quellen
- KDIGO (Kidney Disease: Improving Global Outcomes): KDIGO 2022 Clinical Practice Guideline for Diabetes Management in Chronic Kidney Disease. Kidney Int. 2022;102(5S):S1–S127. doi:10.1016/j.kint.2022.06.008
- Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) / Deutsche Gesellschaft für Nephrologie (DGfN): S3-Leitlinie Diagnostik, Therapie und Verlaufskontrolle des Diabetes mellitus – Nephropathie. 2021. deutsche-diabetes-gesellschaft.de
- Kalantar-Zadeh K, et al.: Plant-Dominant Low-Protein Diet for Conservative Management of Chronic Kidney Disease. Nutrients. 2021;13(6):1931. PubMed 34204932
- National Kidney Foundation (NKF): KDOQI Clinical Practice Guideline for Nutrition in CKD. Am J Kidney Dis. 2020;76(3 Suppl 1):S1–S107. PubMed 32829751
- Cupisti A, et al.: Dietary Approach and Dialysis in Chronic Kidney Disease: A Practical Guidance. Nutrients. 2021;13(8):2766. PubMed 34444926

