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Insulintypen erklärt: Basalinsulin und Bolusinsulin verständlich

Medizinischer Hinweis: Alle Inhalte dienen ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzen keine ärztliche Beratung. Änderungen an Medikamenten- oder Insulindosen nur in Absprache mit einem Arzt.

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Insulintypen erklärt: Basalinsulin und Bolusinsulin verständlich

Insulin ist das wichtigste Hormon zur Regulierung des Blutzuckers. Für Menschen mit Diabetes Typ 1 ist Insulin lebensnotwendig, und auch bei Diabetes Typ 2 kann eine Insulintherapie notwendig werden. Doch nicht alle Insulinpräparate sind gleich: Je nach Wirkdauer und Anwendungszweck unterscheidet man verschiedene Insulintypen. Dieser Artikel erklärt die wichtigsten Unterschiede zwischen Basalinsulin und Bolusinsulin, beschreibt weitere Insulinarten und gibt einen Überblick über die Grundprinzipien der modernen Insulintherapie.

Was ist Insulin und warum wird es gebraucht?

Insulin ist ein Peptidhormon, das von den Beta-Zellen der Langerhans-Inseln in der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) produziert wird. Es ermöglicht den Körperzellen, Glukose aus dem Blut aufzunehmen und als Energiequelle zu nutzen. Ohne Insulin kann Glukose nicht in die Zellen gelangen – der Blutzucker steigt gefährlich an (Hyperglykämie).

Bei Diabetes Typ 1 zerstört das Immunsystem die insulinproduzierenden Beta-Zellen vollständig, sodass keine körpereigene Insulinproduktion mehr stattfindet. Bei Diabetes Typ 2 ist zunächst eine Insulinresistenz vorhanden; mit der Zeit kann auch die Insulinsekretion nachlassen. In beiden Fällen kann eine Insulintherapie notwendig werden. (Davies MJ et al., Diabetologia 2018, PMID 27276428)

Das Ziel der Insulintherapie ist es, den natürlichen Insulinbedarf des Körpers so gut wie möglich nachzuahmen. Dabei werden zwei grundlegende Bedarfstypen unterschieden: der Basalbedarf (Grundbedarf rund um die Uhr) und der Bolusbedarf (erhöhter Bedarf zu den Mahlzeiten).

Das Basal-Bolus-Konzept: Grundpfeiler der modernen Insulintherapie

Das Basal-Bolus-Konzept bildet die Grundlage der intensivierten Insulintherapie. Es unterscheidet zwei Insulinbedarfe:

  • Basalbedarf: Der Körper benötigt auch ohne Nahrungsaufnahme kontinuierlich eine kleine Menge Insulin, um den Blutzucker stabil zu halten – etwa während des Schlafs oder zwischen den Mahlzeiten. Dieser Bedarf wird durch Basalinsulin gedeckt.
  • Bolusbedarf: Nach dem Essen steigt der Blutzucker an. Dieser Anstieg muss durch einen schnell wirkenden Insulinbolus abgedeckt werden. Hierfür werden Bolusinsuline (kurzwirksame Insuline) eingesetzt.

Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) empfiehlt dieses Konzept als Grundlage der intensivierten Insulintherapie (ICT) für Typ-1-Diabetiker und für Typ-2-Diabetiker mit unzureichender Blutzuckereinstellung unter anderen Therapieformen. (DDG Nationaler VersorgungsLeitlinie Typ-2-Diabetes, 2021)

Basalinsulin: Wirkung, Typen und Anwendung

Basalinsuline sind langwirksame Insuline, die über einen Zeitraum von 8 bis über 42 Stunden gleichmäßig wirken. Sie ahmen die basale Insulinsekretion der gesunden Bauchspeicheldrüse nach und sorgen dafür, dass der Blutzucker auch zwischen den Mahlzeiten und nachts im Normbereich bleibt.

NPH-Insulin (Intermediärinsulin)

NPH-Insulin (Neutrales Protamin Hagedorn) war lange Zeit das Standard-Basalinsulin. Es wirkt nach der Injektion mit einem Peak nach 4–8 Stunden und hat eine Gesamtwirkdauer von 10–16 Stunden. Wegen des ausgeprägten Wirkpeaks besteht ein erhöhtes Hypoglykämierisiko, insbesondere nachts. NPH-Insulin muss vor der Injektion sorgfältig gemischt (geschwenkt) werden.

Insulinanaloga der 1. Generation: Glargin U100 und Detemir

Langwirksame Insulinanaloga haben gegenüber NPH-Insulin einen flacheren, gleichmäßigeren Wirkprofil ohne ausgeprägten Peak. Insulin Glargin U100 (Lantus®) und Insulin Detemir (Levemir®) wirken 18–24 Stunden und haben in Studien das Hypoglykämierisiko – insbesondere nächtliche Unterzuckerungen – im Vergleich zu NPH-Insulin gesenkt. (Rosenstock J et al., Diabetes Care 2005, PMID 15735217)

Insulinanaloga der 2. Generation: Glargin U300 und Degludec

Neuere Basalinsulinanaloga versprechen noch flachere Wirkprofile und längere Wirkdauern:

  • Insulin Glargin U300 (Toujeo®): dreifach konzentriertes Glargin, Wirkdauer >36 Stunden, gleichmäßigeres Profil als Glargin U100.
  • Insulin Degludec (Tresiba®): Wirkdauer >42 Stunden, sehr flaches Profil, geringere intraindividuelle Variabilität. Studien zeigen weniger schwere Hypoglykämien im Vergleich zu Glargin U100. (Wysham C et al., JAMA 2017, PMID 28571767)

Übersicht Basalinsuline

InsulintypWirkbeginnWirkpeakWirkdauer
NPH-Insulin1–2 h4–8 h10–16 h
Insulin Glargin U1002–4 hkein ausgeprägter Peak18–24 h
Insulin Detemir1–2 hflach, 6–8 h18–24 h
Insulin Glargin U3006 hkein Peak>36 h
Insulin Degludec1 hkein Peak>42 h

Quelle: Fachinformationen der Hersteller; DDG Praxisleitlinie Insulintherapie, 2023

Bolusinsulin: Mahlzeitinsulin und kurzwirksame Analoginsulina

Bolusinsuline (auch Prandialsulme oder Mahlzeitinsuline genannt) wirken schnell und decken den erhöhten Insulinbedarf nach den Mahlzeiten ab. Man unterscheidet zwei Hauptgruppen:

Normalinsulin (Humaninsulin kurzwirksam)

Normalinsulin ist chemisch identisch mit dem menschlichen Insulin. Es wirkt nach subkutaner (unter die Haut) Injektion mit einem Wirkbeginn von 30–60 Minuten, einem Peak nach 2–4 Stunden und einer Wirkdauer von 5–8 Stunden. Wegen des verzögerten Wirkbeginns muss es 20–30 Minuten vor den Mahlzeiten gespritzt werden (Spritz-Ess-Abstand). Normalinsulin kann auch intravenös gegeben werden – daher kommt es in der Intensivmedizin zum Einsatz.

Schnellwirkende Insulinanaloga

Kurzwirksame Insulinanaloga wurden so modifiziert, dass sie noch schneller wirken als Normalinsulin und damit besser zum tatsächlichen Blutzuckeranstieg nach dem Essen passen:

  • Insulin Lispro (Humalog®): Wirkbeginn 5–15 min, kein oder minimaler Spritz-Ess-Abstand nötig.
  • Insulin Aspart (NovoRapid®): Wirkbeginn 10–20 min, weit verbreitet auch in Insulinpumpen.
  • Insulin Glulisin (Apidra®): Wirkbeginn 5–15 min, unabhängig von Nahrungsfett besonders schnell wirksam.
  • Faster Aspart / Ultra-Rapid Lispro: Neueste Generation mit noch schnellerem Wirkbeginn (2–5 min), entwickelt für den Einsatz in geschlossenen Loop-Systemen (Closed-Loop / AID-Systemen).

Übersicht Bolusinsuline

InsulintypWirkbeginnWirkpeakWirkdauerSpritz-Ess-Abstand
Normalinsulin30–60 min2–4 h5–8 h20–30 min
Lispro / Aspart / Glulisin5–20 min1–2 h3–5 h0–15 min
Faster Aspart / Ultra-Rapid Lispro2–5 min<1 h3–4 h0 min oder direkt nach dem Essen

Mischinsulin: Basal und Bolus in einem

Mischinsuline (auch Biphasische Insuline) kombinieren einen kurzwirksamen und einen langwirksamen Anteil in einem Fertiggemisch. Sie werden meist zweimal täglich gespritzt – morgens und abends. Vorteil: weniger Injektionen. Nachteil: geringere Flexibilität bei der Dosisanpassung als bei separatem Basal- und Bolusinsulin. Mischinsuline eignen sich insbesondere für Menschen mit Typ-2-Diabetes und einem relativ regelmäßigen Tagesablauf.

Typische Mischverhältnisse sind 25/75, 30/70 oder 50/50 (kurzwirksam/langwirksam). Beispiele: Mixtard® 30, Novomix® 30, Humalog® Mix25.

Insulintherapieformen im Überblick

Die Wahl der Insulintherapieform hängt vom Diabetestyp, den individuellen Lebensumständen und dem Therapieziel ab:

TherapieformAbkürzungInsulinGeeignet für
Konventionelle InsulintherapieCTMischinsulin 2x täglichTyp-2, regelmäßiger Tagesablauf
Intensivierte InsulintherapieICTBasalinsulin 1–2x + Bolus zu MahlzeitenTyp-1, Typ-2 mit variabler Ernährung
InsulinpumpentherapieCSIINur kurzwirksames AnaloginsulinTyp-1, bes. labile Einstellung
Closed-Loop / AIDAIDKurzwirksames Analoginsulin (Pumpe + CGM)Typ-1, technologieaffine Patienten

Insulinlagerung und praktische Hinweise

  • Ungeöffnete Insulinvorräte müssen im Kühlschrank bei 2–8 °C gelagert werden.
  • Angebrochene Pens/Patronen können bei Raumtemperatur (max. 25–30 °C) für 28–42 Tage aufbewahrt werden (je nach Hersteller).
  • Insulin darf nicht einfrieren – Frost zerstört die Wirksamkeit dauerhaft.
  • Insulin sollte nicht in direktem Sonnenlicht oder bei starker Hitze (>30 °C) aufbewahrt werden.
  • Bei Reisen: Isoliertaschen für Insulin helfen, die Kühlkette zu unterbrechen – auch im Sommer.

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Häufige Fragen: Insulintypen (FAQ)

Was ist der Unterschied zwischen Basalinsulin und Bolusinsulin?

Basalinsulin ist ein langwirksames Insulin, das den Grundbedarf des Körpers rund um die Uhr deckt – auch zwischen den Mahlzeiten und nachts. Bolusinsulin ist ein kurzwirksames Insulin, das zu den Mahlzeiten gespritzt wird, um den Blutzuckeranstieg nach dem Essen abzufangen. Moderne Insulintherapie kombiniert beide Insulintypen (Basal-Bolus-Konzept), um die natürliche Insulinausschüttung des Körpers möglichst genau nachzuahmen.

Wie oft muss Basalinsulin gespritzt werden?

Das hängt vom verwendeten Insulinpräparat ab. NPH-Insulin wird in der Regel zweimal täglich gespritzt. Neuere Langzeitanaloga wie Glargin U100 oder Detemir werden meist einmal täglich injiziert. Degludec und Glargin U300 wirken über 36–42 Stunden, was bei manchen Patienten sogar eine flexible Dosisstrategie ermöglicht. Ihr behandelnder Arzt oder Diabetologe legt das geeignete Schema für Sie fest.

Was bedeutet der „Spritz-Ess-Abstand” beim Bolusinsulin?

Der Spritz-Ess-Abstand ist die Zeit zwischen der Injektion von Bolusinsulin und dem Beginn der Mahlzeit. Bei Normalinsulin (Humaninsulin) sollten 20–30 Minuten eingehalten werden, damit das Insulin bereits wirkt, wenn der Blutzucker nach dem Essen ansteigt. Bei schnellwirkenden Analoginsulinen (Lispro, Aspart, Glulisin) kann dieser Abstand auf 0–15 Minuten verkürzt werden – in einigen Situationen sogar direkt nach der Mahlzeit. Ultra-schnelle Analoginsuline erlauben teils eine Injektion unmittelbar beim Essen.

Darf ich Insulin selbst dosieren?

Dosierungsanpassungen bei Insulin müssen immer in enger Abstimmung mit dem behandelnden Arzt oder Diabetologen erfolgen. Schulungen wie das DAFNE-Programm (Dose Adjustment For Normal Eating) können Typ-1-Diabetikern beibringen, die Insulindosis selbstständig an Mahlzeiten und Blutzuckerwerte anzupassen – aber stets auf Basis einer ärztlich festgelegten Grundeinstellung. Eigenmächtige größere Dosisänderungen können gefährlich sein (Hypoglykämie oder Hyperglykämie).

Welches Basalinsulin ist das beste?

Es gibt kein universell „bestes” Basalinsulin – die Wahl hängt von individuellen Faktoren ab: Therapieziel, Alltagsstruktur, Hypoglykämierisiko und Verträglichkeit. Neuere Langzeitanaloga (Degludec, Glargin U300) zeigen in Studien weniger Hypoglykämien als NPH-Insulin. Welches Insulin für Sie geeignet ist, entscheidet Ihr Diabetologe gemeinsam mit Ihnen. Eigeninitiative beim Wechsel des Insulinpräparats ohne ärztliche Begleitung ist nicht empfehlenswert.

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⚕ Medizinischer Hinweis

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung. Insulintherapie muss immer von einem Arzt oder Diabetologen verordnet und begleitet werden. Dosierungsänderungen bei Insulin dürfen nur in Absprache mit dem behandelnden Arzt vorgenommen werden. Bei Fragen zu Ihrer persönlichen Therapie wenden Sie sich bitte an Ihr Diabetesteam.

Quellen

  • Davies MJ et al.: Management of hyperglycemia in type 2 diabetes, 2018. Diabetologia. 2018;61(12):2461-2498. PubMed 27276428
  • Rosenstock J et al.: Insulin glargine versus NPH insulin in patients with type 2 diabetes. Diabetes Care. 2005;28(4):950-955. PubMed 15735217
  • Wysham C et al.: Effect of Insulin Degludec vs Insulin Glargine U100 on Hypoglycemia. JAMA. 2017;318(1):45-56. PubMed 28571767
  • Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG): Nationaler VersorgungsLeitlinie Typ-2-Diabetes, Version 2021. deutsche-diabetes-gesellschaft.de
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