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Laborwerte bei Diabetes – was regelmäßig kontrolliert werden sollte

Medizinischer Hinweis: Alle Inhalte dienen ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzen keine ärztliche Beratung. Änderungen an Medikamenten- oder Insulindosen nur in Absprache mit einem Arzt.

Laborwerte bei Diabetes – was regelmäßig kontrolliert werden sollte

Wer mit Diabetes lebt, kennt regelmäßige Arztbesuche und Blutentnahmen. Doch was genau wird dabei gemessen, warum ist es wichtig, und wie oft sollte es erfolgen? Dieser Artikel gibt einen strukturierten Überblick über die wichtigsten Laborwerte bei Diabetes mellitus Typ 1 und Typ 2 – von HbA1c über Nierenwerte bis hin zu Schilddrüsen- und Leberwerten. Grundlage sind die Empfehlungen der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) und der American Diabetes Association (ADA).

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information. Welche Laboruntersuchungen im Einzelfall sinnvoll und notwendig sind, entscheidet der behandelnde Arzt oder die behandelnde Ärztin individuell.

HbA1c – der wichtigste Langzeitparameter

Der HbA1c-Wert (glykiertes Hämoglobin) spiegelt den durchschnittlichen Blutzuckerspiegel der letzten zwei bis drei Monate wider. Er entsteht, wenn Glukose irreversibel an den roten Blutfarbstoff Hämoglobin bindet. Je höher der Blutzucker in diesem Zeitraum, desto höher der HbA1c-Wert.

HbA1c-WertBedeutung
Unter 5,7 % (39 mmol/mol)Normbereich
5,7–6,4 % (39–46 mmol/mol)Prädiabetes-Bereich
Ab 6,5 % (48 mmol/mol)Diagnosekriterium für Diabetes
Therapieziel (individuell)Meist 6,5–7,5 % – je nach Alter und Begleiterkrankungen

Die DDG empfiehlt, den HbA1c bei gut eingestellten Patienten mindestens zweimal jährlich zu kontrollieren, bei veränderten Therapiezielen oder schlechter Einstellung alle drei Monate. Der HbA1c gibt keine Information über Blutzuckerschwankungen – dafür sind Selbstmessungen oder CGM-Systeme nötig. Mehr dazu im Artikel Blutzucker-Selbstkontrolle – Möglichkeiten und Grenzen.

Nierenwerte – frühe Erkennung der Nephropathie

Diabetes ist die häufigste Ursache für chronische Nierenerkrankungen in Deutschland. Die diabetische Nephropathie entwickelt sich schleichend und verursacht lange Zeit keine Symptome. Deshalb sind regelmäßige Nierenwertkontrollen essenziell für die Früherkennung.

Kreatinin und eGFR

Kreatinin ist ein Abbauprodukt des Muskelstoffwechsels, das über die Nieren ausgeschieden wird. Steigt der Kreatininwert im Blut, bedeutet das, dass die Nieren weniger effizient filtern. Aus Kreatinin, Alter, Geschlecht und Körpergewicht berechnet sich die geschätzte glomeruläre Filtrationsrate (eGFR) – das wichtigste Maß für die Nierenfunktion.

eGFR (ml/min/1,73 m²)Nierenfunktion
≥ 90Normal (G1)
60–89Leicht eingeschränkt (G2)
45–59Leicht bis mäßig eingeschränkt (G3a)
30–44Mäßig bis stark eingeschränkt (G3b)
15–29Stark eingeschränkt (G4)
< 15Nierenversagen (G5)

Albumin-Kreatinin-Quotient (AKQ) im Urin

Der AKQ misst, wie viel Albumin (ein Körperprotein) über den Urin verloren geht. Normalerweise filtert die Niere Albumin heraus – ein erhöhter Wert weist auf eine beginnende Nierenschädigung hin. Ein Wert unter 30 mg/g gilt als normal; Werte über 30 mg/g sprechen für eine Mikroalbuminurie, über 300 mg/g für eine Makroalbuminurie. Die DDG empfiehlt, AKQ und eGFR bei Typ-2-Diabetes ab Diagnosestellung jährlich zu kontrollieren, bei Typ-1-Diabetes spätestens ab dem fünften Diabetesjahr. Mehr zur diabetischen Nierenerkrankung finden Sie unter Diabetische Nephropathie – wenn Diabetes die Nieren schädigt.

Blutfette – Cholesterin und Triglyzeride

Ein vollständiges Lipidprofil umfasst Gesamtcholesterin, LDL-Cholesterin (das „schlechte“), HDL-Cholesterin (das „gute“) und Triglyzeride. Menschen mit Typ-2-Diabetes weisen häufig erhöhte Triglyzeride und niedrige HDL-Werte auf – das sogenannte diabetische Dyslipidämie-Muster.

Zielwerte laut ESC/EAS-Leitlinie (2019/2023):

  • LDL-Cholesterin: < 55 mg/dl bei sehr hohem kardiovaskulärem Risiko (Diabetes + KHK oder Organschaden); < 70 mg/dl bei hohem Risiko
  • HDL-Cholesterin: > 40 mg/dl (Männer), > 50 mg/dl (Frauen) – Zielwerte weniger strikt definiert
  • Triglyzeride: < 150 mg/dl

Das Lipidprofil sollte bei Diabetesdiagnose und danach jährlich kontrolliert werden – häufiger, wenn eine Statintherapie begonnen oder angepasst wurde.

Schilddrüsenwerte – TSH-Kontrolle bei Typ-1-Diabetes

Schilddrüsenerkrankungen (insbesondere Hashimoto-Thyreoiditis und Morbus Basedow) treten bei Menschen mit Typ-1-Diabetes deutlich häufiger auf als in der Allgemeinbevölkerung – da beides Autoimmunerkrankungen sind. Eine unbehandelte Schilddrüsenunterfunktion kann die Insulinsensitivität verändern und Blutzuckerschwankungen verstärken.

Die DDG und ADA empfehlen, bei Typ-1-Diabetes den TSH-Wert (thyreoideastimulierendes Hormon) mindestens alle ein bis zwei Jahre zu kontrollieren, besonders bei Beschwerden wie Müdigkeit, Gewichtsveränderungen oder Kälteintoleranz. Bei Typ-2-Diabetes ist eine TSH-Kontrolle bei entsprechenden Symptomen oder bekannter Schilddrüsenvorerkrankung sinnvoll. Mehr zu diesem Thema unter Diabetes und Schilddrüse – Hashimoto und die Verbindung zu Autoimmunerkrankungen.

Leberwerte – besonders bei Typ-2-Diabetes und Metformin

Die nichtalkoholische Fettlebererkrankung (NAFLD, heute auch MASLD genannt) tritt bei Menschen mit Typ-2-Diabetes sehr häufig auf – Schätzungen gehen von bis zu 70 % aus. Eine verfettete Leber verstärkt die Insulinresistenz und kann langfristig zu Leberfibrose und -zirrhose führen. Die wichtigsten Leberenzyme im Laborbild sind GOT (AST), GPT (ALT) und Gamma-GT. Erhöhte GPT-Werte können auf eine Fettleber hinweisen.

Metformin – das Standardmedikament bei Typ-2-Diabetes – ist bei fortgeschrittener Niereninsuffizienz kontraindiziert, nicht primär wegen der Leber. Dennoch empfehlen viele Ärzte, Leberwerte bei Diabetespatienten als Basisparameter zu erheben und bei Auffälligkeiten weiter abzuklären.

Übersicht: Kontrollintervalle für Laborwerte bei Diabetes

LaborwertEmpfohlenes IntervallBesonderheiten
HbA1cAlle 3–6 MonateBei stabiler Einstellung 2×/Jahr ausreichend
eGFR (Kreatinin)JährlichHäufiger bei eingeschränkter Nierenfunktion
Albumin-Kreatinin-Quotient (Urin)JährlichTyp-1: ab 5. Diabetesjahr; Typ-2: ab Diagnose
Lipidprofil (LDL, HDL, TG)JährlichHäufiger bei Statintherapie oder schlechter Einstellung
TSH (Schilddrüse)Alle 1–2 Jahre bei Typ-1Bei Symptomen oder Vorerkrankung auch bei Typ-2
Leberwerte (GOT, GPT, Gamma-GT)Nach Bedarf / BasisdiagnostikRegelmäßig bei NAFLD-Verdacht oder Metformin-Therapie
BlutbildJährlichAnämie kann HbA1c verfälschen

Was tun, wenn Laborwerte außerhalb des Zielbereichs liegen?

Abweichende Laborwerte sind keine Katastrophe – sie sind ein Signal, genauer hinzuschauen. Meist lassen sich erhöhte Werte durch Anpassungen der Therapie, Ernährung oder Bewegung verbessern. Wichtig ist, die Ergebnisse nicht selbst zu interpretieren oder eigenmächtig Medikamente zu ändern, sondern das Gespräch mit dem Behandlungsteam zu suchen. Regelmäßige Laborkontrollen sind das wichtigste Werkzeug, um Komplikationen früh zu erkennen – bevor sie Symptome verursachen.

Häufige Fragen zu Laborwerten bei Diabetes (FAQ)

Was bedeutet ein HbA1c von 7,5 % – ist das gut oder schlecht?

Ein HbA1c von 7,5 % (58 mmol/mol) entspricht einem durchschnittlichen Blutzucker von etwa 170 mg/dl (9,4 mmol/l) über die letzten drei Monate. Ob das gut oder schlecht ist, hängt vom individuellen Therapieziel ab. Die DDG empfiehlt für die meisten Menschen mit Typ-2-Diabetes ein Ziel von 6,5–7,5 %, mit strengeren Zielen für jüngere Patienten ohne Unterzuckerungsrisiko und lockereren Zielen für ältere oder multimorbide Patienten. Ihr Arzt legt Ihr persönliches Ziel gemeinsam mit Ihnen fest.

Kann ein niedriges Hämoglobin (Anämie) den HbA1c verfälschen?

Ja. Hämoglobin wird in den roten Blutkörperchen gebildet, die eine Lebensdauer von etwa 120 Tagen haben. Bei Anämie (Blutarmut) oder erhöhtem Blutzellumschlag können die Messwerte unzuverlässig sein – der HbA1c kann fälschlicherweise zu niedrig oder zu hoch erscheinen. Bestimmte Hämoglobinvarianten (wie HbS bei Sichelzellanämie) verfälschen die Messung ebenfalls. In solchen Fällen kann Ihr Arzt auf alternative Parameter wie Fructosamin zurückgreifen.

Wie oft sollte ich zum Arzt, um meine Laborwerte kontrollieren zu lassen?

Bei gut eingestelltem Diabetes ohne Komplikationen empfehlen DDG und ADA mindestens zwei Arztbesuche mit Blutentnahme pro Jahr. Bei unzureichend eingestelltem Diabetes, neuer Therapie oder bestehenden Komplikationen sollten die Kontrollen häufiger stattfallen – typischerweise alle drei Monate. Ihr Diabetologe oder Hausarzt legt das für Sie passende Intervall fest. Nutzen Sie strukturierte Diabetesprogramme (DMP Diabetes mellitus Typ 2), die solche Kontrolltermine systematisch vorgeben.

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⚕ Wichtiger medizinischer Hinweis

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Laborwerte müssen immer im individuellen klinischen Kontext bewertet werden. Veränderungen an Therapie oder Medikamentendosierungen dürfen ausschließlich nach Rücksprache mit einem Arzt oder einer Ärztin vorgenommen werden.

Quellen

  • Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG): Praxisempfehlungen zur Diagnostik des Diabetes mellitus. Diabetologie. 2023;18(Suppl 2). ddg.info
  • American Diabetes Association: Standards of Care in Diabetes – 2024. Diabetes Care. 2024;47(Suppl 1). PubMed 38078589
  • Mach F et al.: 2019 ESC/EAS Guidelines for the management of dyslipidaemias. Eur Heart J. 2020;41(1):111–188. PubMed 31504418
  • Marx N et al.: 2023 ESC Guidelines on the management of cardiovascular disease in patients with diabetes. Eur Heart J. 2023;44(39):4043–4140. PubMed 37622663
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03. Aug. 2026 · 10 Min. Lesezeit Lesen