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Unterzuckerung erkennen & richtig handeln

Gesunder Snack gegen Unterzuckerung

Medizinischer Hinweis: Alle Inhalte dienen ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzen keine ärztliche Beratung. Änderungen an Medikamenten- oder Insulindosen nur in Absprache mit einem Arzt.

Unterzuckerung erkennen & richtig handeln

Eine Unterzuckerung – medizinisch Hypoglykämie – tritt auf, wenn der Blutzucker unter einen kritischen Schwellenwert fällt. Sie ist eine der häufigsten Akutkomplikationen bei Diabetes und kann – wenn nicht rechtzeitig behandelt – lebensbedrohlich werden. Dieser Artikel erklärt, wie Sie eine Unterzuckerung erkennen, welche Maßnahmen sofort helfen und wie Sie künftige Episoden vermeiden.

Was ist eine Unterzuckerung?

Von einer Hypoglykämie spricht man, wenn der Blutzucker unter 70 mg/dL (3,9 mmol/L) fällt. Schwere Hypoglykämien liegen bei unter 54 mg/dL (3,0 mmol/L). Abhängig vom Wert und von der individuellen Wahrnehmungsgrenze können Symptome früher oder später auftreten. Menschen mit langjährigem Diabetes entwickeln manchmal eine Hypoglykämie-Wahrnehmungsstörung – sie spüren die Frühwarnsymptome nicht mehr zuverlässig.

Symptome der Unterzuckerung

Leichte bis moderate Hypoglykämie

Diese Symptome entstehen durch die Ausschüttung von Stresshormonen (adrenerge Reaktion):

  • Zittern und innere Unruhe
  • Herzklopfen / Herzrasen
  • Schwitzen (kalter Schweiß)
  • Blässe und Kältegefühl
  • Heißhunger – besonders auf Süßes
  • Konzentrationsschwierigkeiten und Kopfschmerzen

Schwere Hypoglykämie: Hirnmangelsymptome

Bei weiter sinkendem Blutzucker leidet das Gehirn unter Glukosemangel (neuroglykopenische Reaktion):

  • Verwirrtheit und Desorientierung
  • Sehstörungen und Schwindel
  • Undeutliche Sprache
  • Koordinationsstörungen (wirkt wie betrunken)
  • Krampfanfälle
  • Bewusstlosigkeit — Notruf 112!

Sofortbehandlung: Die 15-15-Regel

Bei einer leichten bis moderaten Unterzuckerung (Patient bei Bewusstsein und kann schlucken) empfehlen DDG und ADA die 15-15-Regel:

  1. Nehmen Sie 15–20 g schnell verfügbare Kohlenhydrate zu sich.
  2. Warten Sie 15 Minuten und messen Sie erneut den Blutzucker.
  3. Liegt der Blutzucker noch unter 70 mg/dL, wiederholen Sie Schritt 1.
  4. Ist der Blutzucker wieder normalisiert und liegt die nächste Mahlzeit mehr als 1 Stunde entfernt, essen Sie einen kleinen Snack mit komplexen Kohlenhydraten (z.B. ein Stück Brot).

Geeignete Lebensmittel zur Schnellbehandlung

LebensmittelMenge für ~15 g KHWirkungseintritt
Traubenzucker (Dextrose)3–4 Täfelchen (à 4 g)ca. 10 min
Fruchtsaft (ohne Zusatz)150–200 mlca. 10–15 min
Cola (zuckerhaltig)150 mlca. 10–15 min
Gummibärchen6–8 Stückca. 15 min
Honig1 EL (ca. 20 g)ca. 10–15 min

Nicht geeignet: Schokolade, Nüsse oder Käse — Fett verlangsamt die Kohlenhydrataufnahme erheblich.

Schwere Hypoglykämie: Was Dritte tun müssen

Ist die betroffene Person bewusstlos oder nicht mehr in der Lage zu schlucken:

  • Sofort Notruf 112 wählen.
  • Nichts in den Mund geben – Erstickungsgefahr!
  • Falls verfügbar: Glukagon-Kit injizieren (liegt oft in der Notfalltasche von Typ-1-Diabetikern). Intranasal als Nasenspray (Baqsimi) ist ebenfalls zugelassen und einfacher anzuwenden.
  • Person in stabile Seitenlage bringen und bis zum Eintreffen des Notarztes betreuen.

Ursachen und Risikofaktoren

  • Zu hohe Insulindosis oder unpassendes Insulintiming
  • Übersprungene oder verspätete Mahlzeit nach Insulingabe
  • Ungewohnt intensive körperliche Aktivität — erhöhter Glukoseverbrauch
  • Alkohol: hemmt die Glukosefreisetzung aus der Leber (besonders gefährlich nachts)
  • Bestimmte Sulfonylharnstoff-Medikamente (z.B. Glibenclamid, Glimepirid)
  • Niereninsuffizienz: verlangsamte Insulinausscheidung verlängert die Wirkdauer

Vorbeugung von Unterzuckerungen

  • Regelmäßige Blutzuckermessungen vor dem Schlafen und vor dem Sport
  • Schulung mit dem Diabetesteam zur individuellen Insulindosierung
  • Immer schnelle Kohlenhydrate dabei haben (z.B. Traubenzucker in Tasche oder Rucksack)
  • Medizinischen Notfallausweis tragen oder Diabetiker-Armband/App nutzen
  • Alkohol nur zu kohlenhydrathaltigen Mahlzeiten und nie auf nüchternen Magen

Häufige Fragen zur Unterzuckerung (FAQ)

Kann ich eine Unterzuckerung im Schlaf bekommen?

Ja, nächtliche Hypoglykämien sind bekannt und gefährlich, weil die Warnsymptome oft nicht wecken. Typisch sind Schweißausbrüche, Albträume oder morgendliche Kopfschmerzen. Abendliche Blutzuckerkontrolle und gegebenenfalls ein kleiner Spät-Snack mit komplexen Kohlenhydraten können das Risiko senken. Ein CGM mit Alarm ist bei häufigen nächtlichen Hypoglykämien besonders wertvoll.

Was ist der Unterschied zwischen Hypoglykämie und Unterzuckerung?

Beides bezeichnet dasselbe: einen zu niedrigen Blutzucker. „Hypoglykämie“ ist der medizinische Fachbegriff (griechisch: hypo = unter, glykys = süß, haima = Blut), „Unterzuckerung“ das deutsche Alltagswort.

Wann sollte ich nach einer Unterzuckerung wieder Sport treiben?

Warten Sie, bis der Blutzucker stabil über 100 mg/dL liegt und Sie sich wieder vollständig erholt haben. Bei einer schweren Hypoglykämie sollten Sie für den Rest des Tages auf intensive Belastungen verzichten und Ihren Arzt informieren. Sport bei Diabetes ist grundsätzlich empfehlenswert – planen Sie aber Messungen vor, ggf. während und nach dem Training ein.

Kann man eine Hypoglykämie-Wahrnehmungsstörung wieder verbessern?

Ja. Durch konsequente Vermeidung von Hypoglykämien über mehrere Wochen können sich die Warnsymptome häufig wieder normalisieren. Dieses Verfahren heißt „Blood Glucose Awareness Training“ (BGAT). Ein CGM-System mit Alarmfunktion kann dabei eine wertvolle Unterstützung sein. Sprechen Sie mit Ihrem Diabetologen.

Ist eine Unterzuckerung ohne Diabetes möglich?

Ja, wenn auch seltener. Ursachen können sein: sehr langer Nahrungsentzug, exzessiver Alkohol, bestimmte Medikamente (z.B. Chinin), Insulinom (insulinproduzierender Tumor der Bauchspeicheldrüse) oder reaktive Hypoglykämie nach sehr zuckerhaltigen Mahlzeiten. Wiederholte Unterzuckerungen ohne Diabetes sollten ärztlich abgeklärt werden.

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⚕ Medizinischer Hinweis

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Bewusstlosigkeit infolge einer Unterzuckerung sofort den Notruf 112 anrufen. Therapieänderungen – insbesondere bei der Insulindosierung – müssen immer in Absprache mit dem behandelnden Arzt erfolgen.

Quellen

  • Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG): Praxisleitlinie Diabetes mellitus Typ 1, Version 2023. deutsche-diabetes-gesellschaft.de
  • American Diabetes Association: Standards of Medical Care in Diabetes 2024, Section 6: Glycemic Goals. Diabetes Care. 2024;47(Suppl 1). diabetesjournals.org
  • Cryer PE: Hypoglycemia in Diabetes: Pathophysiology, Prevalence, and Prevention. 3rd ed. American Diabetes Association, 2016.
  • Umpierrez GE, Korytkowski M: Diabetic emergencies — ketoacidosis, hyperglycaemic hyperosmolar state and hypoglycaemia. Nat Rev Endocrinol. 2016;12(4):222–32. PubMed 26893262
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