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SGLT-2-Hemmer erklärt: Empagliflozin, Dapagliflozin & Co. bei Diabetes

Medizinischer Hinweis: Alle Inhalte dienen ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzen keine ärztliche Beratung. Änderungen an Medikamenten- oder Insulindosen nur in Absprache mit einem Arzt.

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SGLT-2-Hemmer erklärt: Empagliflozin, Dapagliflozin & Co. bei Diabetes

SGLT-2-Hemmer (auch Gliflozine genannt) haben die Behandlung des Typ-2-Diabetes in den letzten Jahren revolutioniert. Anders als ältere Diabetesmedikamente senken sie nicht nur den Blutzucker, sondern schützen nachweislich Herz und Nieren. Die bekanntesten Wirkstoffe sind Empagliflozin (Jardiance®), Dapagliflozin (Forxiga®) und Canagliflozin (Invokana®). Dieser Artikel erklärt Wirkprinzip, Studienlage, Nebenwirkungen und wann SGLT-2-Hemmer eingesetzt werden. Er ersetzt keine ärztliche Beratung – alle Therapieentscheidungen liegen beim behandelnden Arzt.

Was sind SGLT-2-Hemmer?

SGLT-2 steht für Sodium-Glucose-Cotransporter 2 – ein Transporterprotein in den Nieren, das Glukose aus dem Urin zurück ins Blut befördert. Normalerweise wird fast die gesamte gefilterte Glukose wieder resorbiert; die Niere lässt keinen Zucker in den Urin. SGLT-2-Hemmer blockieren diesen Transporter gezielt.

Das Ergebnis: Die Nieren scheiden täglich 50–90 Gramm Glukose zusätzlich über den Urin aus (Glucosurie). Dadurch sinkt der Blutzucker, ohne dass Insulin dafür benötigt wird. Dies macht SGLT-2-Hemmer besonders interessant bei Insulinresistenz.

Wie wirken SGLT-2-Hemmer? Mechanismus im Detail

WirkmechanismusEffekt
SGLT-2-Blockade in der NiereGlukose wird nicht resorbiert → Glukoseausscheidung im Urin (~70 g/Tag)
BlutdrucksenkungOsmotische Diurese führt zu leichtem Flüssigkeitsverlust, Blutdruckabfall ~3–5 mmHg
GewichtsreduktionDurch Kalorienverlust über Urin: 2–3 kg Gewichtsverlust im Mittel
Ketogenese-FörderungVerbesserter Fettstoffwechsel, leicht ketogene Stoffwechsellage
Hämodynamische HerzeffekteReduktion der Vor- und Nachlast des Herzens; wahrscheinlich wichtigster kardioprotektiver Mechanismus

Die Studienlage: Kardiovaskuläre und renale Vorteile

Drei große, randomisierte Endpunktstudien haben die Wirksamkeit von SGLT-2-Hemmern eindrucksvoll belegt:

EMPA-REG OUTCOME (Empagliflozin)

Die EMPA-REG OUTCOME-Studie (2015) untersuchte Empagliflozin bei Typ-2-Diabetes-Patienten mit hohem kardiovaskulärem Risiko. Ergebnis: Empagliflozin reduzierte das Risiko für kardiovaskulären Tod um 38 %, für Herzinsuffizienz-Hospitalisierungen um 35 % und für renale Komplikationen um 39 % (Zinman et al., NEJM 2015, PMID 26378978). Diese Zahlen sind absolut beeindruckend und haben die Diabetestherapie neu definiert.

DECLARE-TIMI 58 (Dapagliflozin)

DECLARE-TIMI 58 (2019) mit über 17.000 Patienten zeigte, dass Dapagliflozin Herzinsuffizienz-Hospitalisierungen signifikant reduziert (–27 %) und die renale Progression verlangsamt. Wichtig: Diese Vorteile galten auch für Patienten ohne manifeste kardiovaskuläre Erkrankung (Wiviott et al., NEJM 2019, PMID 30415602).

CANVAS (Canagliflozin)

Das CANVAS-Programm (Neal et al., NEJM 2017, PMID 28605608) bestätigte kardiovaskuläre Vorteile für Canagliflozin, zeigte aber auch ein erhöhtes Risiko für Amputationen der unteren Extremitäten – ein Signal, das für Empagliflozin und Dapagliflozin in dem Ausmaß nicht repliziert wurde.

Aufgrund dieser Datenlage empfiehlt die DDG (2023), bei Patienten mit Typ-2-Diabetes und gleichzeitiger Herzinsuffizienz oder chronischer Nierenerkrankung bevorzugt SGLT-2-Hemmer einzusetzen. Mehr zu Nierenkomplikationen bei Diabetes lesen Sie in unserem Beitrag zur Insulinresistenz.

Wann werden SGLT-2-Hemmer eingesetzt?

Laut aktuellen DDG-Leitlinien (2023) sind SGLT-2-Hemmer indiziert bei:

  • Typ-2-Diabetes mit kardiovaskulären Erkrankungen (KHK, stattgehabter Herzinfarkt, Schlaganfall) – SGLT-2-Hemmer oder GLP-1-Agonisten bevorzugt
  • Herzinsuffizienz mit Typ-2-Diabetes – klare Erstlinienindikation
  • Chronische Nierenerkrankung (diabetisch) – renoprotektion durch Dapagliflozin ist belegt (DAPA-CKD-Studie)
  • Zusatz zu Metformin, wenn der HbA1c-Zielwert nicht erreicht wird und kardiovaskuläre Risikofaktoren vorliegen

Informationen zum HbA1c-Wert und seinen Zielwerten finden Sie in unserem Übersichtsartikel.

Nebenwirkungen der SGLT-2-Hemmer

Da SGLT-2-Hemmer dauerhaft Zucker im Urin verursachen, entstehen spezifische Nebenwirkungen:

NebenwirkungHäufigkeitHinweis
Genitale Pilzinfektionen (Candidose)Häufig (≥ 1/100)Durch dauerhaft zuckerhaltigen Urin; Frauen häufiger betroffen als Männer
HarnwegsinfektionenHäufig (≥ 1/100)Gute Intimhygiene kann das Risiko reduzieren
Häufigeres WasserlassenSehr häufigDurch Glucosurie und Diurese
Euglykämische KetoazidoseSelten, aber ernstBesonders bei Very-Low-Carb-Diät oder vor Operationen; Zeichen: Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen
Hypotonie (Blutdruckabfall)GelegentlichBesonders bei gleichzeitiger Diuretika-Therapie

Euglykämische Ketoazidose: wichtiges Warnsignal

Eine seltene, aber gefährliche Komplikation unter SGLT-2-Hemmern ist die euglykämische Ketoazidose – ein Ketoazidose-Zustand, bei dem der Blutzucker normal oder nur leicht erhöht ist. Das macht sie schwerer zu erkennen. Risikofaktoren: sehr kohlenhydratarme Ernährung, längeres Fasten, Operationen, akute Erkrankungen. Die DDG empfiehlt, SGLT-2-Hemmer mindestens 3 Tage vor Operationen abzusetzen. Bei Symptomen wie anhaltender Übelkeit, Erbrechen oder Abdominalschmerzen unter SGLT-2-Hemmer-Therapie sofort ärztliche Hilfe aufsuchen.

Empagliflozin vs. Dapagliflozin vs. Canagliflozin: Unterschiede

WirkstoffHandelsnameZulassungBesonderheit
EmpagliflozinJardiance®T2D, Herzinsuffizienz, CKDStärkste Herz-Todesrate-Reduktion (EMPA-REG)
DapagliflozinForxiga®T2D, Herzinsuffizienz, CKD (auch ohne Diabetes)Als Einziger bei CKD ohne Diabetes zugelassen (DAPA-CKD)
CanagliflozinInvokana®T2DCANVAS-Studie: Amputation-Signal beachten

Für Diabetiker, die ihren Blutzucker und Verlauf dokumentieren möchten, können Blutzucker-Tagebücher (Amazon) beim Tracking helfen.

Häufige Fragen zu SGLT-2-Hemmern (FAQ)

Können SGLT-2-Hemmer eine Unterzuckerung verursachen?

Bei alleiniger Anwendung verursachen SGLT-2-Hemmer keine Unterzuckerung (Hypoglykämie), weil sie nicht von Insulin abhängig wirken. Das Risiko steigt jedoch, wenn sie mit Sulfonylharnstoffen oder Insulin kombiniert werden. Ihr Arzt informiert Sie über ggf. notwendige Dosisanpassungen bei Kombination.

Darf ich bei SGLT-2-Hemmer-Einnahme Low Carb essen?

Sehr kohlenhydratarme Ernährung (ketogene Diät) in Kombination mit SGLT-2-Hemmern erhöht das Risiko einer euglykämischen Ketoazidose. Dies bedeutet nicht, dass Low-Carb-Ernährung grundsätzlich verboten ist – aber die Kombination sollte eng mit dem Arzt abgestimmt werden. Eigenmächtiges Umstellen der Ernährung ist riskant.

Müssen SGLT-2-Hemmer vor einer Operation abgesetzt werden?

Ja. Die aktuelle Empfehlung lautet, SGLT-2-Hemmer mindestens 3 Tage vor elektiven Operationen abzusetzen, um das Risiko einer perioperativen euglykämischen Ketoazidose zu minimieren. Informieren Sie immer Ihr gesamtes Behandlungsteam, dass Sie SGLT-2-Hemmer einnehmen.

Sind SGLT-2-Hemmer auch bei Herzinsuffizienz ohne Diabetes wirksam?

Ja. Dapagliflozin (Forxiga®) ist auch bei Herzinsuffizienz und bei chronischer Nierenerkrankung ohne Diabetes zugelassen. Die EMPEROR-Reduced und EMPEROR-Preserved Studien sowie DAPA-HF und DAPA-CKD haben den Nutzen bei diesen Indikationen überzeugend belegt. Die konkrete Indikationsstellung erfolgt durch den behandelnden Kardiologen oder Nephrologen.

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⚕ Wichtiger medizinischer Hinweis

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. SGLT-2-Hemmer sind verschreibungspflichtige Medikamente. Therapiebeginn, Dosierung und Anpassung erfolgen ausschließlich durch den behandelnden Arzt. Ändern Sie Ihre Medikation niemals eigenständig. Bei Zeichen einer Ketoazidose (Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen) sofort ärztliche Hilfe aufsuchen.

Quellen

  • Zinman B et al.: Empagliflozin, Cardiovascular Outcomes, and Mortality in Type 2 Diabetes. N Engl J Med. 2015;373(22):2117–2128. PubMed 26378978
  • Wiviott SD et al.: Dapagliflozin and Cardiovascular Outcomes in Type 2 Diabetes (DECLARE-TIMI 58). N Engl J Med. 2019;380(4):347–357. PubMed 30415602
  • Neal B et al.: Canagliflozin and Cardiovascular and Renal Events in Type 2 Diabetes (CANVAS). N Engl J Med. 2017;377(7):644–657. PubMed 28605608
  • Heerspink HJL et al.: Dapagliflozin in Patients with Chronic Kidney Disease (DAPA-CKD). N Engl J Med. 2020;383(15):1436–1446. PubMed 32970396
  • Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG): Leitlinie Pharmakotherapie des Typ-2-Diabetes. 2023. DDG-Leitlinien
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