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Prädiabetes: Was bedeuten meine Werte & kann man es umkehren?

Arzt-Patienten-Gespräch bei Prädiabetes

Medizinischer Hinweis: Alle Inhalte dienen ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzen keine ärztliche Beratung. Änderungen an Medikamenten- oder Insulindosen nur in Absprache mit einem Arzt.

Prädiabetes: Was bedeuten meine Werte & kann man es umkehren?

Prädiabetes ist eine Stoffwechsellage, bei der die Blutzuckerwerte dauerhaft erhöht sind – aber noch nicht so hoch, dass ein manifester Diabetes diagnostiziert wird. In Deutschland sind nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts (RKI) rund 2 Millionen Menschen von Prädiabetes betroffen, viele davon ohne es zu wissen. Dabei ist die Lage keineswegs hoffnungslos: Zahlreiche Studien zeigen, dass sich Prädiabetes durch gezielte Lebensstiländerungen in vielen Fällen aufhalten oder sogar umkehren lässt.

Was ist Prädiabetes?

Der Begriff Prädiabetes (auch: Prä-Diabetes, Vorstufe des Diabetes) beschreibt einen Zustand erhöhter Nüchternglukose (IFG, Impaired Fasting Glucose) und/oder gestörter Glukosetoleranz (IGT, Impaired Glucose Tolerance). In dieser Phase ist die Insulinsensitivität des Körpers bereits eingeschränkt, die Bauchspeicheldrüse kann aber noch ausreichend Insulin produzieren, um den Blutzucker unter der Diabetesdiagnoseschwelle zu halten.

Ohne Veränderungen des Lebensstils entwickeln nach Studienlage ca. 5–10 % der Betroffenen pro Jahr einen Typ-2-Diabetes. Gleichzeitig weist Prädiabetes bereits auf ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko hin.

Diagnosekriterien: Diese Werte gelten als Prädiabetes

Die WHO und die DDG unterscheiden zwei Formen des Prädiabetes:

1. Gestörte Nüchternglukose (IFG)

  • Nüchternblutzucker (venöses Plasma): 100–125 mg/dL (5,6–6,9 mmol/L)

2. Gestörte Glukosetoleranz (IGT)

  • 2-Stunden-Wert beim oralen Glukosetoleranztest (oGTT): 140–199 mg/dL (7,8–11,0 mmol/L)

3. Erhöhter HbA1c-Wert

  • HbA1c: 5,7–6,4 % (WHO 2011; DDG nutzt teilweise einen leicht abweichenden Bereich)
KategorieNüchternglukose (venös)oGTT 2-h-WertHbA1c
Normalunter 100 mg/dL (5,6 mmol/L)unter 140 mg/dL (7,8 mmol/L)unter 5,7 %
Prädiabetes100–125 mg/dL (5,6–6,9 mmol/L)140–199 mg/dL (7,8–11,0 mmol/L)5,7–6,4 %
Diabetes mellitusab 126 mg/dL (7,0 mmol/L)ab 200 mg/dL (11,1 mmol/L)ab 6,5 %

Weitere Informationen zur Umrechnung von Blutzuckerwerten finden Sie in unserem Artikel Blutzucker umrechnen: mg/dL ↔ mmol/L.

Symptome: Merkt man Prädiabetes?

Prädiabetes verursacht in der Regel keine eindeutigen Symptome. Das ist der Grund, warum viele Betroffene nichts davon wissen. Gelegentlich berichten Menschen über erhöhte Müdigkeit oder ein leichtes Leistungstief nach kohlenhydratreichen Mahlzeiten – diese unspezifischen Zeichen lassen sich jedoch kaum eindeutig dem Prädiabetes zuordnen.

Deshalb ist ein regelmäßiger Check des Nüchternblutzuckers und HbA1c im Rahmen der Vorsorge besonders wichtig – vor allem bei Risikofaktoren (Übergewicht, familiäre Diabetesbelastung, Bewegungsmangel, Hypertonie).

Kann Prädiabetes umgekehrt werden?

Ja – und hier gibt es fundierte wissenschaftliche Belege. Die bekannteste Studie ist das US-amerikanische Diabetes Prevention Program (DPP), in dem gezeigt wurde, dass intensive Lebensstiländerungen das Risiko, von Prädiabetes in Typ-2-Diabetes überzugehen, um 58 % senken können. Eine entsprechende europäische Studie (Finnish Diabetes Prevention Study) bestätigte ähnliche Ergebnisse.

Die entscheidenden Faktoren laut DPP-Studie waren:

  • Gewichtsreduktion: mindestens 5–7 % des Körpergewichts
  • Körperliche Aktivität: mindestens 150 Minuten moderater Sport pro Woche (z.B. zügiges Gehen)
  • Ernährungsumstellung: Reduktion von Fett und Kalorien, mehr Ballaststoffe

Ob die Blutzuckerwerte wieder in den Normalbereich fallen, hängt vom Ausgangsgewicht, der Ausprägung des Prädiabetes und der Konsequenz der Veränderungen ab. Sprechen Sie die konkreten Ziele mit Ihrem Arzt oder einer Diabetesberatung ab.

Was Sie jetzt konkret tun können

1. Ernährung anpassen

Lebensmittel mit einem niedrigen glykämischen Index können dabei helfen, den Blutzucker nach Mahlzeiten stabiler zu halten. Dazu gehören Hülsenfrüchte, Gemüse, Vollkornprodukte und ballaststoffreiche Lebensmittel. Mehr dazu in unserem Artikel Glykämischer Index: Tabelle & praktische Tipps.

2. Körperlich aktiv werden

Bewegung verbessert die Insulinsensitivität. Die WHO empfiehlt für Erwachsene mindestens 150–300 Minuten moderaten Ausdauersport pro Woche plus 2 Einheiten Krafttraining. Auch kurze Spaziergänge nach dem Essen können nach aktuellen Studien dazu beitragen, den postprandialen Blutzucker zu senken. Mehr dazu in unserem Artikel Sport bei Diabetes: Welche Bewegung den Blutzucker beeinflusst.

3. Gewicht normalisieren

Schon eine moderate Gewichtsreduktion von 5–10 % kann die Insulinsensitivität deutlich verbessern. Bauchfett (viszerales Fett) gilt dabei als besonders problematisch, da es entzündungsfördernde Substanzen freisetzt und die Insulinwirkung beeinträchtigt.

4. Regelmäßige Blutzuckerkontrollen

Lassen Sie Nüchternglukose und HbA1c mindestens einmal jährlich beim Hausarzt kontrollieren. Bei bekanntem Prädiabetes empfiehlt die DDG eine engmaschigere Kontrolle (alle 3–6 Monate), um den Verlauf zu beobachten.

Medikamentöse Therapie: Wann ist sie sinnvoll?

In Deutschland wird bei Prädiabetes in der Regel zunächst ein Lebensstilprogramm empfohlen. Medikamente wie Metformin können in bestimmten Hochrisikokonstellationen ergänzend eingesetzt werden – die Entscheidung trifft jedoch der behandelnde Arzt auf Basis der individuellen Situation. Eine eigenständige medikamentöse Behandlung ohne ärztliche Begleitung ist nicht empfehlenswert.

Häufige Fragen (FAQ)

Ist Prädiabetes das Gleiche wie Typ-2-Diabetes?

Nein. Beim Prädiabetes sind die Blutzuckerwerte erhöht, aber noch unterhalb der Diabetesdiagnoseschwelle. Es ist jedoch eine Vorstufe, die ohne Interventionen in etwa 5–10 % der Fälle pro Jahr in Typ-2-Diabetes übergehen kann. Mit gezielten Lebensstiländerungen lässt sich dieser Übergang in vielen Fällen verhindern oder verzögern.

Wie wird Prädiabetes diagnostiziert?

Der Hausarzt kann Prädiabetes durch eine einfache Blutuntersuchung feststellen: Nüchternblutzucker (nach mindestens 8 Stunden Nahrungsverzicht), HbA1c-Wert oder einen oralen Glukosetoleranztest (oGTT). Die Diagnose sollte an einem anderen Tag bestätigt werden, sofern keine eindeutigen Symptome vorliegen.

Gibt es Präventionsprogramme bei Prädiabetes?

Ja. In Deutschland gibt es strukturierte Präventionsprogramme, die von einigen Krankenkassen unterstützt werden (z.B. DMP-Programme, Reha-Maßnahmen). Sprechen Sie Ihre Krankenkasse an oder fragen Sie Ihren Hausarzt nach einem geeigneten Programm. Das nationale Diabetesprogramm „Besser leben mit Diabetes“ der DDG gibt ebenfalls Orientierung.

Was ist der Unterschied zwischen IFG und IGT?

IFG (Impaired Fasting Glucose, gestörte Nüchternglukose) bezeichnet erhöhte Nüchternwerte zwischen 100–125 mg/dL (5,6–6,9 mmol/L). IGT (Impaired Glucose Tolerance, gestörte Glukosetoleranz) bedeutet, dass der Blutzucker 2 Stunden nach einem Glukosebelastungstest zwischen 140–199 mg/dL (7,8–11,0 mmol/L) liegt. Beides sind Prädiabetesformen; IGT ist stärker mit kardiovaskulärem Risiko assoziiert.

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⚕ Medizinischer Hinweis

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Die Diagnose von Prädiabetes oder Diabetes mellitus erfordert eine qualifizierte medizinische Untersuchung. Lebensstilmaßnahmen sollten in Absprache mit einem Arzt oder Diabetologen umgesetzt werden. Änderungen an Medikamenten- oder Insulindosen nur nach ärztlicher Rücksprache.

Weiterlesen: Blutzuckernormwerte: Tabelle fuer Nuechtern & nach dem Essen

Quellen

  • Knowler WC et al. (Diabetes Prevention Program Research Group): Reduction in the incidence of type 2 diabetes with lifestyle intervention or metformin. N Engl J Med. 2002;346(6):393-403. PubMed 11832527
  • Tuomilehto J et al. (Finnish Diabetes Prevention Study): Prevention of type 2 diabetes mellitus by changes in lifestyle among subjects with impaired glucose tolerance. N Engl J Med. 2001;344(18):1343-50. PubMed 11333990
  • Robert Koch Institut (RKI): Diabetes in Deutschland – Bericht der Nationalen Diabetes-Surveillance 2021. rki.de
  • Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG): Praxisleitlinie Diabetes 2023 – Prävention und Therapie des Typ-2-Diabetes. deutsche-diabetes-gesellschaft.de
  • World Health Organization: Definition and diagnosis of diabetes mellitus and intermediate hyperglycaemia, WHO 2006 (updated 2011). who.int
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